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Fehlverheilte Radiusfraktur (Radiuskorrekturosteotomie)

Erscheinungsbild

Der körperferne Speichenbruch (distale Radiusfraktur) ist der häufigste Knochenbruch am menschlichen Körper. Er entsteht durch den Sturz auf die gestreckte Hand. Je nach Krafteinleitung beim Sturz entstehen verschiedene Bruchformen. Die häufigste Bruchform stellt der sogenannte Extensionstyp dar, d. h. die Verkippung der Gelenkfläche zum Handrücken hin, also nach streckseitig.

Trotzdem seit vielen Jahren Plattensysteme (sog. winkelstabile Implantate) zur Versorgung dieser Frakturen angeboten werden, die bei Implantation durch den erfahrenen Operateur eine sichere Ausheilung in natürlicher Stellung mit früher Möglichkeit der Mobilisation gewährleisten, wird dieser Bruch häufig noch unzureichend behandelt. Es kommt dann, durch eine Verkippung und Verkürzung der Speiche, zu einer Vielzahl von Problemen, z. B. zu einer Beeinträchtigung der Drehung des Unterarmes (Rotation) durch die nicht mehr genaue Passform des Ellen-Speichen-Drehgelenkes. Darüber hinaus kommt es regelmäßig zu einer Druckerhöhung im ellenseitigen Gelenkabschnitt durch die Verkürzung (also auf der Kleinfingerseite), die sich in einer zunehmenden Schmerzhaftigkeit bei Belastung und einem vorzeitigen Verschleiß des Diskus triangularis äußern kann. Selbst geringe Fehlstellungen können schon deutliche beschwerden verursachen.

Trotzdem der frische Extensionsbruch häufig im Rahmen der Erstversorgung durch geschlossene Einrichtung (oft nach Schi- oder Snowboardunfällen in den Alpenländern, aber auch in den Rettungsstellen der deutschen Krankenhäuser praktiziert) in eine akzeptable Stellung gebracht werden kann, kommt es dann durch die, nahezu immer vorhandene, streckseitige Trümmerzone zu einer erneuten Verschiebung. Oft stellen sich die Patienten dann nach vielen Monaten vor und haben Röntgen-Bilder dabei, die den Verlauf der schleichenden, langsamen Verkippung dokumentieren, sodass von Bild zu Bild der Unterschied nie groß ist, wenn jedoch am Ende das erste und das letzte Bild verglichen werden, so wird die Fehlstellung offensichtlich.

Diagnose

Ist es zu einer Fehlstellung gekommen und resultieren aus dieser nachvollziehbare Probleme, so ist die Radiuskorrekturosteotomie, also die Wiederherstellung der normalen Anatomie der Speiche, die Behandlungsmethode der Wahl. In der Regel wird die Operation stationär durchgeführt, kann aber bei geringen Fehlstellungen, wenn kein Beckenknochen eingesetzt werden muss, auch ambulant erfolgen. Vor der Operation reichen in der Regel zur Diagnosestellung der klinische Befund und Röntgen-Bilder beider Handgelenkes in 2 Ebenen aus, um das Ausmaß der Radiusfehlstellung zu bestimmen.

Operation

Der Zugang zur Speiche erfolgt von der Beugeseite des Unterarmes aus über einen standardisierten Zugang. Es wird eine winkelstabile Korrekturplatte (z. B. Aptus 2.5 Fa. Medartis), die den physiologischen Winkel der Speichengelenkfläche vorgibt angepasst und die Speiche dann auf Höhe der ehemaligen Fraktur erneut durchtrennt. Durch die Fixierung der Platte am Schaft der Speiche und Aufspreizung des „chirurgischen Bruches“ ergibt sich dann die physiologische Ausrichtung der Gelenkachsen und der Speichenlänge. Dabei entsteht ein mehr oder weniger großer Defekt im Knochen.

Je nach Größe des Defektes ist es erforderlich, den Defekt mit einem Knochentransplantat aufzufüllen. Diese wird mit einer Spezialfräse über einen kleinen Schnitt aus dem gleichseitigen Beckenkamm gewonnen, geformt und in den Defekt eingepasst.

Nachbehandlung

Nach der Operation ist in der Regel eine 2-4wöchige Ruhigstellung in einer Unterarmschiene erforderlich. Mit Handtherapie wird unmittelbar nach dem Eingriff begonnen, um die Drehfähigkeit und Fingerbeweglichkeit zu erhalten. Eine Metallentfernung der Platte ist nur bei Bedarf nötig. Die Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach Ausmaß der Korrektur und des Berufes zwischen 2 und 8 Wochen.

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