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Distale Radiusfraktur (körperferner Speichenbruch)

Es handelt sich dabei um den häufigsten Knochenbruch des Menschen. Das Risiko, beim Sturz auf die ausgestreckte Hand eine Radiusfraktur zu erleiden steigt mit zunehmendem Lebensalter auf Grund des abnehmenden Kalkgehaltes des Knochens (Osteoporose). Trotzdem erleiden auch Kinder und Erwachsene im mittleren Lebensabschnitt diese Verletzung, sei es beim Sport oder aber bei Arbeitsunfällen.

Die Behandlung dieser Verletzung hat sich in den letzten 10 Jahren erheblich verändert. Früher war es nahezu die Regel, die Radiusfraktur geschlossen einzurichten und durch einen Gips oder durch Drähte zu stabilisieren. Besonders bei älteren Patienten nahm man teils groteske Fehlstellungen in Kauf, die dann unweigerlich zu einer Einschränkung der Handfunktion führten. Die zunehmend differenziertere Betrachtung der Anatomie und Gelenkmechanik der Speiche und des Ellen-Speichen-Drehgelenkes führten hier zu einer Wandlung der Therapie der distalen Radiusfraktur. Man erkannte, dass selbst geringe Fehlstellungen unweigerlich zu Problemen mit der Drehung der Hand und zu Belastungsschmerzen im ellenseitigen Handgelenk führten. Hinzu kam die Entwicklung moderner Osteosyntheseverfahren, nämlich die der winkelstabilen Systeme. Ein Problem der früheren Plattenversorgung war, dass bei einer Trümmerzone die Schrauben in der Platte rotieren konnten. So kam es sekundär oft zur erneuten Verkippung des Bruches. Ein weiterer Vorteil der modernen Verfahren ist die sofortige Übungsstabilität der Versorgung, wodurch die postoperative Nachbehandlung verkürzt werden kann.

Therapie

Die Versorgung einer frischen Radiusfraktur kann durchaus aufgeschoben innerhalb der ersten 7-10 Tage erfolgen. Je nach Wunsch und gesundheitlichem Zustand des Patienten biete ich diese Versorgung ambulant oder stationär an.

Zum Einsatz kommt eines der Besten, derzeit verfügbaren Osteosynthese-Systeme, nämlich das „Aptus Radius System“ der Firma Medartis. Der Vorteil dieses Systems liegt in dem sehr schlanken Plattenprofil, die Platte ist anatomisch vorgeformt und passt sich dem Knochen gut an, sodass hier die umliegenden Strukturen (Sehnen und Nerven) nicht beeinträchtigt werden. Hinzu kommt die einzigartige Verblockung der sphärischen Schraubenköpfe in den Plattenlöchern, die zu einer optimalen Stabilität führt. Diese Schauben können multidirektional eingebracht werden, d.h. die Schraubenposition kann vom Operateur in einem Winkel von 15° in allen Richtungen der Fraktursituation optimal angepasst werden.

Der Hautschnitt liegt beugeseitig am speichenseitigen Unterarm im Verlauf zwischen der Speichenarterie und der speichenseitigen Handgelenksbeugesehne. Der Vorteil dieses Zuganges liegt in der fehlenden Beeinträchtigung des N. medianus (Mittelnerv), der unmittelbar neben der speichenseitigen Handgelenksbeugesehne verläuft. Die Operation erfolgt unter Röntgen-Durchleuchtung, um die Lage der Platte und die korrekte Einrichtung der Radiusfraktur zu gewährleisten.

Nach der Operation wird eine Unterarmschiene angepasst, die je nach Situation der Radiusfraktur und Stabilität der Versorgung in der Regel für 2 Wochen belassen wird.

Begleitverletzungen

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung bei der operativen, aber auch bei der konservativen Behandlung, ist die Diagnose von Begleitverletzungen, da diese unbehandelt zu Folgeschäden führen können.

Hier sind vor allem die Ruptur (Zerreißung) des Bandes zwischen Kahnbein und Mondbein (sog. SL-Band, skapholunäres Band) und die Verletzung des ulnokarpalen Bandkomplexes zu nennen.

Beide Verletzungen müssen intraoperativ ausgeschlossen und ggf. behandelt werden. Häufig entsteht der Verdacht bereits bei der Operationsplanung, so sind Rupturen des SL-Bandes bei bestimmten Bruchformen mit Gelenkbeteiligung häufiger. Auch ein basisnaher Bruch des Griffelfortsatzes der Elle kann ein Hinweis auf eine Instabilität des Ellen-Speichen-Drehgelenkes sein.

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