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Dupuytren´sche Kontraktur

Die Dupuytren´sche Kontraktur ist eine ursächlich unklare Erkrankung, die in einem Verhältnis von ca. 8:1 Männer bevorzugt betrifft. Eine geographische Verteilung ist nachweisbar, die Erkrankung wird von Süden nach Norden häufiger. Während sie bei Afrikanern eine Rarität darstellt, tritt die Erkrankung bei Nordeuropäern häufiger auf. Ursächlich wird zumindest eine genetische Komponente sicher angenommen, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt.

Der Name kommt von einem der Erstbeschreiber, Baron Guillaume Dupuytren, einem französischen Chirurgen, der die Erkrankung 1831 in Paris vorstellte.

Erscheinungsbild

Es handelt sich um eine gutartige Erkrankung der Hohlhandfaserplatte, der sogenannten Palmaraponeurose. Hier kommt es zunächst zu einer knotenartigen Verdickung, die dann in eine strangförmige Veränderung übergehen kann, die die Finger in einer Beugehaltung fixiert. Das Ausmaß und der Befall sind von Patient zu Patient unterschiedlich. Der Befall der Hand ist am Kleinfinger am häufigsten und wird seltener zum Daumen hin. Es gibt sehr unterschiedliche Verläufe. Die Krankheit kann sehr schnell verlaufen und zu einer schweren Beeinträchtigung der Handfunktion führen, andererseits aber auch nur zu einer geringen Knotenbildung in der Handfläche führen und jahrelang unverändert bleiben. Die Knoten sind schmerzlos, können aber bei einer gewissen Größe, vor allem beim handwerklich Tätigen durch Druck Beschwerden verursachen.

Therapie

Die Krankheit ist nicht heilbar!
Auch wenn das gesamte erkrankte Gewebe entfernt wurde, besteht das Risiko des erneuten Auftretens (Rezidiv) am operierten Finger oder das Fortschreiten an anderen (Progression). Das Ausmaß der Veränderungen bestimmt die Behandlung.

Eine einfache Knotenbildung in der Handfläche sollte nur beobachtet werden. Erst wenn die Stränge auf den Finger übergreifen und es zu einer funktionell störenden Beugung kommt, besteht die Indikation zur chirurgischen Behandlung.

Operation

Die Operation erfolgt in entsprechender Schmerzausschaltung beim Patienten in einer sogenannten Blutleere. Es wird das Blut mit einer Gummimanschette aus der Hand ausgewickelt und am Oberarm eine Druckmanschette angelegt. Der Operateur trägt beim Eingriff eine Lupenbrille (4,5fache Vergrößerung) um die sehr kleinen Nerven und Gefäße nicht zu verletzen.

Bei der Schnittführung müssen die Gegebenheiten der Beugefurchen der Haut beachtet werden. Häufig sind zum Wundverschluss kleine Hautlappenplastiken (sog. Z-Plastiken) erforderlich. Bei einer länger bestehenden Beugung des mittleren Fingergelenkes ist oft auch eine chirurgische Lösung des Gelenkes (sog. Arthrolyse) erforderlich.

Besondere Ansprüche stellen die sog. Rezidiv-Operationen, da hier durch die vorhergehenden Eingriffe narbige Veränderungen vorliegen, die die Präparation der Gefäß- und Nervenstrukturen erschweren.

Nach der Operation werden ein milder Druckverband und eine Schiene angelegt. Bereits zwei Tage nach der OP wird mit Handtherapie begonnen, die gelegentlich auch über einen längeren Zeitraum erforderlich ist.

Perkutane Nadelfasziotomie (PNF)

Eine interessante Alternative zur ausgedehnten Operation stellt die perkutane Nadelfasziotomie dar. Sie stammt aus Frankreich und wurde von Rheumatologen dort vor ca. 30 Jahren entwickelt. In Deutschland wurde die perkutane Nadelfasziotomie bisher eher selten praktiziert. In den letzten Jahren erlebt dieses elegante Verfahren aber eine zunehmende Verbreitung.

Bei der PNF wird der Strang in örtlicher Betäubung in mehreren Etagen mit einer Kanüle durchstochen. Dabei muss der Operateur die Anatomie der Hand in ihrer Dreidimensionalität präzise kenne, um nicht tiefer liegende Strukturen (Nerven, Sehnen und Gefäße) zu verletzen. Das Stranggewebe wird unter Zug am Finger solange geschwächt, bis es, meist mit einem hörbaren Geräusch, zerreißt. Die PNF kann allerdings nicht bei jedem Befund angewendet werden. Sie eignet sich besonders, wenn nur das Grundgelenk des Fingers gebeugt ist. Ein wichtiger Vorteil ist, dass sie keine Narben hinterlässt und, je nach Beruf, keine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eintritt. Ein geringer Nachteil der perkutanen Nadelfasziotomie ist die Tatsache, dass das Stranggewebe in der Hand verbleibt. Eine sichere Einschätzung hinsichtlich der Zeit bis zum Wiederauftreten der Fingerkrümmung kann nicht gegeben werden.

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