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Daumensattelgelenksarthrose

Das Sattelgelenk des Daumens wird gebildet von der Basis des ersten Mittelhandknochens (Os metacarpale I) und dem so genannten großen Vieleckbein (Os trapezium) der Handwurzel. Es ermöglicht dem Daumen auf Grund seiner Sattelform seine große, für die Hand unentbehrliche Beweglichkeit, wie z. B. die Positionierung vor der Hand und ermöglicht damit nahezu alle wichtigen Greifformen wie den Spitzgriff zu den Fingern, den Kraftgriff und den Schlüsselgriff.  Der Verschleiß des Knorpels im Daumensattelgelenk führt zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung und Kraftminderung. Es kann zur Verformung und Verplumpung des Gelenkes kommen, die bereits von außen erkennbar ist.

Definition

Bei einer Sattelgelenksarthrose ist es durch Abnutzung  zum Verlust des Gelenkknorpels gekommen. Hieraus resultieren die Bewegungseinschränkung und ein ständiger Reizzustand im Gelenk, der zu einer Schwellung führen kann. Eine  schmerzlose Bewegung des Daumens ist nicht mehr möglich, häufig verspüren die Patienten auch ein Knirschen im Gelenk. Es kommt zu einer Verminderung der Handkraft. In der Röntgen-Aufnahme ist der Gelenkspalt verschmälert und es können sich Knochenzacken oder freie Gelenkkörper bilden, die den Bewegungsschmerz noch verstärken.

Ursachen

Die Ursache für die primäre Arthrose, also die Arthrose, die sich im Laufe des Lebens ohne Erkrankung oder Verletzung entwickelt, ist letztlich unklar. Genetische Ursachen spielen hier sicher eine große Rolle, da Verschleißerkrankungen familiär gehäuft auftreten. Die häufig gestellte Frage, ob die Ernährung eine Rolle spielt, kann nicht sicher beantwortet werden. Frauen sind öfter vom Verschleiß des Sattelgelenkes betroffen als Männer.

Eine sekundäre Arthrose kann als Folge von Brüchen (Frakturen) der Basis des ersten Mittelhandknochens oder selten des Vieleckbeines, sowie bei entzündlichen Gelenkerkrankungen (rheumatische Arthritis) entstehen.

Erscheinungsbild

Das erste Symptom ist oft ein Bewegungsschmerz. Auch eine Morgensteifigkeit kann ein Symptom der Frühphase sein, diese bessert sich meist im Lauf des Tages. Im weiteren Verlauf der Arthrose wird jegliche Daumenbewegung schmerzhaft. Besonders bei alltäglichen Verrichtungen wie z.B. beim öffnen eines Schraubverschlusses oder beim greifen kleiner Gegenstände, wenn beim Spitzgriff gegen die Fingerkuppen Druck auf das Sattelgelenk kommt, entstehen Schmerzen. Im Spätstadium der Sattelgelenksarthrose verdickt sich die äußere Kontur der Daumenwurzel, die bis zu grotesken Fehlstellungen führen kann. Schmerzbedingt lässt die Kraft des Daumens bzw. der gesamten betroffenen Hand nach.

Diagnostik

Die Diagnose lässt sich in der Regel leicht durch das äußere Erscheinungsbild, die Beschwerden und den Untersuchungsbefund stellen. Die Röntgenaufnahme des betroffenen Handgelenkes bzw. des Daumenstrahls bestätigt dann die Diagnose und zeigt im Bereich des Daumensattelgelenkes einen verschmälerten bis aufgehobenen Gelenkspalt. Durch das Röntgenbild ist auch die Abgrenzung gegenüber anderen Verschleißveränderungen an der Handwurzel möglich.  Problematisch ist manchmal die Abgrenzung der Frühformen, wenn das Beschwerdebild passt, aber im Röntgenbild noch kein Verschleiß erkennbar ist. Dann kann manchmal auch eine Kernspintomographie (MRT) erforderlich werden.

Therapie

Im Frühstadium der Daumensattelgelenkarthrose können entzündungshemmende Medikamente (Tabletten und Salben) beschwerdelindernd wirken. Auch sind Kortisoninjektionen in das Daumensattelgelenk gelegentlich vorübergehend hilfreich. Das Kortison kann aber auch Nebenwirkungen, wie z. B. die Schädigung des verbliebenen Gelenkknorpels haben. Hierdurch kann jedoch nie eine Heilung, sondern nur eine Verzögerung und Beschwerdelinderung erzielt werden. Auch das Tragen einer Daumenhülse, also die äußere Beschränkung des Bewegungsumfanges, durch feste oder elastische Schienen oder Bandagen wird gelegentlich als lindernd empfunden, stört aber viele Menschen bei der täglichen Arbeit.
Wenn der Schmerz das tägliche Leben zunehmend einschränkt und eventuell auch nächtliche Schmerzen auftreten, sollte über eine operative Maßnahme nachgedacht werden. Hier haben sich in den letzten Jahrzehnten die folgenden Methoden etabliert.

Die Resektions-Suspensions-Arthroplastik

Dabei wird das große Vieleckbein entfernt und die Stabilisierung des Daumens durch eine Sehnenaufhängung gewährleistet. Es werden je nach Methode entweder Teile der Sehne des Daumenabspreizers (Abductor pollicis longus) oder des speichenseitigen Handgelenksbeugers (Flexor carpi radialis) verwendet. Beide Verfahren haben keine negativen Auswirkungen auf die Funktion dieser Sehnen.   Das operative Vorgehen ist im Folgenden beschrieben:

Zunächst erfolgt beugeseitig am Handgelenk ein angedeutet s-förmiger, ca. 4-6 cm langer Hautschnitt. Nach Eröffnung der Gelenkkapsel wird das große Vieleckbein entfernt, ebenso die gereizte Gelenkschleimhaut und eventuell vorhandene freie Gelenkkörper. Zur Stabilisierung wird dann der Daumenstrahl mit einer Sehnenschlinge im Bereich des ehemaligen Sattelgelenkes gefesselt. Daraus ergibt sich eine elastische Stabilisierung des Daumens und ermöglicht nach der Heilungszeit eine nahezu normale Daumenbewegung.  Es besteht aber auch die Möglichkeit, auf die Sehnenaufhängung zu verzichten. Nach einer aktuellen Studie der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) haben sich zwischen der alleinigen Entfernung des Vieleckbeines und der Sehnenaufhängeplastik im Verlauf keine Unterschiede ergeben.

Die Nachbehandlung besteht in einer vierwöchigen Ruhigstellung mit einer Gipsschiene. Anschließend wird mit Handtherapie begonnen. Wichtig für Sie als Patient ist es, dass Sie wissen, dass es bis zu sechs Monate nach der Operation dauern kann, bis eine völlige Belastbarkeit wieder eintritt. Dabei kann eine mäßige Kraftminderung verbleiben, die jedoch durch die Schmerzlinderung aufgewogen wird.

Die Versteifung (Arthrodese)

Dies ist eine nur noch in Ausnahmefällen angewandte Methode, die aber durchaus ihre Indikation haben kann. Wenn es nach einem Bruch (Fraktur) der Basis des 1. Mittelhandknochens beim jüngeren Menschen zur Arthrose kommt und eine wesentliche Kraft der Hand beim schwer arbeitenden Patienten erforderlich ist, so kann die Arthrodese Sinn machen. Hierbei werden nur die verschlissenen Gelenkflächen abgetragen und beide Knochenflächen in einer funktionell günstigen Position aufeinander gesetzt. Die Stabilisierung erfolgt durch eine Titanplatte. Nach einer etwa 4-6wöchigen Ruhigstellung kann vorsichtig mit der Belastung begonnen werden. Hier muss erwähnt werden, dass die knöcherne Heilung häufig lange dauert und gelegentlich ausbleibt. Diese so genannte Falschgelenkbildung (Pseudarthrose) kann zum Plattenbruch führen und erfordert dann eine erneute Operation mit Knochenanlagerung vom Beckenkamm.

Der prothetische Gelenkersatz

Wenn die Gelenkform trotz der Arthrose noch weitestgehend erhalten ist, kann nach Entfernung der arthrotischen Gelenkflächen eine Prothese in den Mittelhandknochen (Hemiprothese), z.B. aus Pyrocarbon oder Keramik, oder eine Totalendoprothese eingesetzt werden. Auch wenn sich der prothetische Gelenkersatz an den Fingergrund- und Mittelgelenken längst als sichere Methode bewährt hat, ist ein wesentlicher Vorteil der Prothese am Daumensattelgelenk in der klinischen Anwendung meiner Erfahrung nach bisher nicht erkennbar. Dies mag besonders durch den außergewöhnlichen Bewegungsumfang des Sattelgelenkes bedingt sein. Hier bleiben die Ergebnisse von Langzeituntersuchungen und die technischen Fortschritte der Industrie abzuwarten.

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